Spitzen leicht gemacht – so kannst du deine Stifte (und sonstige Zeichenwerkzeuge) anspitzen

Beim Bleistift-Zeichnen stolpern wir erstmal weniger über Anspitz-Probleme – nutzen wir dann aber noch weitere Zeichenmaterialien, kommen schnell Fragen auf. Wie spitze ich einen Stift mit weicher Mine wie Kohle- oder Pastellstifte an? Und wie spitze ich mir eine superlange Bleistiftspitze? Wie bekomme ich Papierwischer, sogenannte Estompen, wieder sauber und gleichzeitig spitz? Und was kann ich tun, wenn mir meine Radierstriche einfach nicht so fein gelingen, obwohl ich schon dünne Radierstifte benutze? Auf all diese Fragen findest du in den verschiedenen Möglichkeiten des Anspitzens eine Antwort, die ich dir im Folgenden gerne zeigen möchte.

Spitzen mit dem Standard-Metall-Spitzer

Der Standard-Metall-Spitzer ist die wohl bekannteste Anspitz-Möglichkeit. Er kommt in verschiedensten Ausführungen daher: als Einzel-, Doppel- oder Mehrfachspitzer, mit oder ohne Behältnis und mit verschieden langen Klingen für verschieden lange Stiftspitzen. Standard-Spitzer eignen sich sehr gut für Bleistifte aller Härtegrade. Sie sind günstig zu bekommen und ihre Klinge lässt sich mit ein paar wenigen Handgriffen einfach austauschen.

Drei verschiedene Standard-Spitzer für unterschiedlich lange Spitzen.
(Die jeweilige Klinge lässt sich übrigens ganz leicht mithilfe der kleinen Schraube austauschen, wenn sie zu stumpf wird.)

Tipp: Falte die Ränder eines Schmierpapiers nach oben, um es als praktische Spitz-Abfall-Sammelstelle für deinen Zeichenplatz zu verwenden. So kommen keine Spitz-Abfälle hin, wo sie nicht sein sollen, und du kannst sie später ganz einfach inklusive Papier entsorgen.

Spitzen mit der Spitzmaschine

Spitzmaschinen gibt es elektrisch oder mit Kurbel. Meist enthalten sie eine Fräse im Inneren, die nur selten austauschbar ist. Im Vergleich zur Standard-Spitzer-Klinge bleibt diese Fräse aber deutlich länger scharf und spitzt auch deutlich stifteschonender. Schält der Standard-Spitzer die uns allbekannten Holzschlaufen vom Stift ab, bekommt man von der Fräse der Spitzmaschine wenige, kleine Späne. Dagegen habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Standard-Spitzer im Vergleich zu (zumindest meiner) Spitzmaschine die Mine noch minimal spitzer anspitzt.

Dennoch nutze ich die Spitzmaschine sehr gerne, weil sie sicherer spitzt (die Wahrscheinlichkeit, dass der Stift abbricht, ist einfach viel geringer als beim Standard-Spitzer) und die Stifte länger halten bzw. sich nicht so schnell verbrauchen. Es gibt übrigens auch Spitzmaschinen, die es ermöglichen, verschiedenste Spitzenlängen einzustellen.

Links: Beispiel einer Spitzmaschine mit Kurbel.
Rechts oben: Vergleich der minimal stumpferen Spitzmaschinen-Spitze mit einer Standard-Spitzer-Spitze.
Rechts unten: kleine feine Späne aus der Spitzmaschine nach stifteschonendem Spitzen.

So verwendest du die Spitzmaschine: Du ziehst die Stifthalterung etwas aus der Spitzmaschine heraus und betätigst den Spanner, um den Stift in die Öffnung zu schieben (bis du vorne den Anschlag merkst). Dann lässt du den Spanner los, um den Stift zu befestigen und startest den Spitzer – in meinem Fall würdest du also an der Kurbel kurbeln. Dabei wird einerseits die Fräse bewegt, um den Stift abzufräsen. Andererseits wird der Stift durch den Spanner ins Innere der Maschine gedrückt. Sobald an der Kurbel kein Widerstand mehr zu spüren ist, ist der Stift fertig angespitzt. Durch das erneute Betätigen des Spanners kannst du den Stift wieder aus der Maschine nehmen. Durch das Einspannen bleiben kleine Abdrücke auf dem Holz, was aber nur eine optische Sache darstellt.

Tipp: Wenn du nicht so viel Lust hast, ständig deinen Stift nachzuspitzen (so wie ich), drehe ihn während des Zeichnens ab und zu ein bisschen in deiner Hand. So kommst du weg von der abgenutzten Fläche, hin zu einer neuen „scharfen“ Stelle deiner Spitze.

Superlange Bleistift-Spitze

Vielleicht hast du das bei dem ein oder anderen Bleistiftkünstler schon einmal gesehen: superlange, feine, fast nadelartige Bleistift-Spitzen. Diese ermöglichen es einerseits sehr glatte Strukturen und feine Details zu zeichnen und andererseits breite Schattierungen und Schraffuren anzulegen, ohne dass das Holz des Stiftes im Weg ist. Somit macht die lange Spitze die Nutzungsbandbreite eines einzelnen Stiftes recht abwechslungsreich und viele Künstler schwören darauf.

Aber wie bekommt man eine solche Spitze? Dazu benötigst du ein Cuttermesser und optional ein Stück Schleifpapier. Zunächst musst du mit dem Cuttermesser das Holz abschnitzen. Rund herum, Stück für Stück und natürlich immer von dir weg, nie auf dich zu. Achte dabei darauf, das Messer immer über die Mine hinweg zu führen und sie nicht versehentlich einzukerben oder sogar abzubrechen. Hast du die Mine freigelegt – viele nehmen sich etwa 5 cm als Anhaltspunkt – geht es darum, die Spitze nadelartig zu formen. Das kannst du entweder auch durch vorsichtiges Abschaben mit dem Cuttermesser probieren oder durch Vor- und Zurück-, Rechts-, Links- und Drehbewegungen der Mine auf einem Schleifpapier, bis du eine zufriedenstellende Spitze geschnitzt oder geschliffen hast.

1. Schritt: Abschnitzen des Holzes mit dem Cuttermesser.
2. Schritt: Formen der nadelartigen Spitze mit dem Cuttermesser oder dem Schleifpapier.

Ich spitze meine Bleistifte übrigens „ganz normal“ an und zeichne nicht mit superlangen Spitzen. Generell bin ich eher „spitz-faul“ und verlasse mich gerne auf meinen Standard-Spitzer oder die Spitzmaschine. Zudem mag ich das Zeichengefühl mit den „normalen“ Bleistiftspitzen.

Weiche, empfindlichere Stifte spitzen

Stifte mit weicheren Minen, wie Kohle- oder auch Pastellstifte, sind im Standard-Spitzer schwieriger zu spitzen und brechen gerne ab. Die Spitzmaschine kommt damit schon besser zurecht, aber auch für sie können Stifte mit weicheren Minen schwieriger als Bleistifte sein.

Meine Kohlestifte spitze ich am liebsten mithilfe einer Kombination aus Cuttermesser und dem Standard-Spitzer, aber auch Schleifpapier kann zum Einsatz kommen. Zunächst schnitze ich vorsichtig das Holz ab (wie für die superlange Bleistiftspitze – nur eben nicht so eine große Strecke), um die Mine ein Stückchen freizulegen. Dann spitze ich die Mine vorsichtig an der Klinge eines Standard-Spitzers, aber so, dass das Holz den Spitzer nicht berührt (denn dann laufe ich wieder Gefahr, dass sich etwas ein bisschen verhaken und die Spitze abbrechen könnte). Genauso kannst du dir die Mine dann aber auch mithilfe eines Schleifpapiers zurechtschleifen oder mithilfe des Cuttermessers vorsichtig zurechtschnitzen.

1. Schritt: Abschnitzen des Holzes mit dem Cuttermesser.
2. Schritt: Zurechtschleifen der Mine mit dem Standard-Spitzer oder Schleifpapier.

Wenn du unsicher im Umgang mit dem Cuttermesser bist, kannst du dir auch eine Anspitzhilfe zulegen. Google dafür einmal „Anspitzhilfe Augenbrauenstift“ – das sind kleine Teile, mit vorgefertigten Öffnungen, in die du deinen Stift hineinlegen kannst und die dir die „Schnitz-Richtung“ vorgeben.

Manche Kohlestifte kommen ohne Holzeinfassung daher – oft sind sie nur mit einer dünnen Plastik-Schicht ummantelt. In der Regel sind diese in ihrer Zusammensetzung härter und lassen sich leichter mithilfe des Standard-Spitzers anspitzen. Und auch Kohlestäbchen lassen sich in Stiftform bringen: Schnitze sie einfach mit dem Cuttermesser zurecht.

Kohlestäbchen lassen sich gut mit dem Cuttermesser in Stiftform bringen, härtere Kohlestifte kann man meistens auch mit dem Standardspitzer sehr schön anspitzen.

Tipp: Wenn du das Holz schon abgeschnitzt hast und nur noch an der Mine arbeitest oder Kohle ohne Holzanteil verwendest, lege dir ein kleines Papier unter, um den Kohle- oder Pastellstaub zu sammeln und aufzuheben. Damit kann man sehr schön sanfte Flächen einfärben und es z. B. für Grundlagenschichten oder Hintergründe verwenden.

Anspitzen bzw. Säubern des Papierwischers (Estompe)

Es gibt drei Möglichkeiten, warum du deinen Papierwischer anspitzen musst: Du hast seine Spitze so sehr beansprucht, dass sie nicht mehr spitz ist, du hast mit deinem Papierwischer so viel gewischt, dass seine Struktur so komprimiert ist, dass er anfängt, auf dem Papier zu quietschen und sich nicht mehr gut anfühlt, oder du möchtest eine helle Stelle verwischen und hast aber gerade viel Pigment an deinem Wischer, das deine helle Stelle verunreinigen würde.

Um den Papierwischer neu anzuspitzen und gleichzeitig zu säubern, kannst du ihn mit dem Cuttermesser zurechtschnitzen. Achte darauf, dass die Klinge deines Messers möglichst neu/scharf ist – hat die Klinge schon zu viel Holz oder weiche Minen gesehen, kann sie sich zwar dafür noch weiterhin gut eignen, ist für die empfindlichen Papierwischer aber vielleicht schon zu stumpf und reißt eher daran, als das Papiermaterial glatt abzuschneiden. Härtere Papierwischer lassen sich auch gut durch Reiben über ein Schleifpapier reinigen/anspitzen. Bei weicheren kann das aber in eine Fussel-Produktion ausarten.

Anspitzen bzw. Säubern des Papierwischers mit dem (scharfen) Cuttermesser.

Tipp: Wenn du die vordere Stelle deines Cuttermessers für deine Stifte verwendest, musst du das Messer nicht direkt abbrechen, um an eine neue Stelle für deine Papierwischer zu gelangen. Schiebe das Messer einfach etwas weiter heraus und lasse die Stifte-abgenutzte Stelle der Klinge überstehen.

Anspitzen von Radierstiften

Auch Radiergummis gibt es in Stiftform, die sich anspitzen bzw. schärfen lassen. Radierstifte mit Holzummantelung sind je nach Equipment auf verschiedenste Weisen zu spitzen, oder eben auch nicht: Mit ganz scharfer Klinge lassen sich härtere Radiergummistifte mit dem Standard-Spitzer anspitzen, etwas einfacher ist es mit der Spitzmaschine. Am besten klappt es wohl durch das Abschnitzen des Holzes mit dem Cuttermesser und das Anspitzen der Radiermine mit Schleifpapier – aber Achtung: weichere Radiergummis nutzen nur wenig mit ganz spitzer Spitze, da sie sich beim Radieren einfach weg biegt.

Tipp: Ich nutze am liebsten Druck-Radierstifte (die zum „Rausklicken“ der Mine). Sie sind am „schärfsten“ und radieren die feinsten Linien, wenn sie flach radiert sind. Stelle den Radierstift im 90°-Winkel auf ein Schmierpapier und radiere die Fläche der Spitze flach. Dann bekommst du rundherum 90°-Kanten, mit denen du, wenn du den Radierstift etwas schräg hältst, richtig feine Linien radieren kannst.

Glattradierte Druck-Radierstifte ermöglichen die feinsten Radierstriche durch scharfe 90°-Kanten.

Das A und O: eine scharfe Klinge

Dein Spitz-Erlebnis und dein Spitz-Erfolg steht und fällt mit der Schärfe der Klinge. Wenn du also bemerkst, dass es nicht so gut klappt mit dem Anspitzen, könnte es an der Zeit sein, die Klinge deines Spitzers oder Cuttermessers auszutauschen. Beim Spitzen von Bleistiften merkt man es am deutlichsten an der Struktur des Holzes: Wird das Holz nicht mehr schön glatt durch die Spitzer-Klinge abgeschliffen, sondern eher abgeschält, sodass eine unebene Holzstruktur zu sehen und zu fühlen ist, ist die Klinge zu stumpf.

Wird das Holz nicht mehr glatt abgeschliffen, sodass eine unebene Holzstruktur zu sehen ist, ist es Zeit, die Klinge auszutauschen.

Das kann übrigens schneller gehen oder auch länger dauern – je nachdem, was du alles mit diesem Spitzer anspitzt. Bekommt dein Spitzer neben Bleistiften auch Kohle- und/oder Pastellstifte zu sehen, musst du die Klinge vermutlich häufiger austauschen. Das liegt an der Zusammensetzung der Minen der unterschiedlichen Stifte: Während Graphitminen sich eher zart und gleitend spitzen lassen, enthalten Kohle- bzw. Pastellminen Bestandteile, die sich auf die Spitzerklingen ein bisschen wie feines Schmirgelpapier auswirken. Zudem sammelt sich der Staub der weicheren Minen auch stärker im Spitzer an und verunreinigt ihn somit mehr. Buntstifte liegen im Spitzverhalten übrigens irgendwo zwischen Bleistiften und Kohle- bzw. Pastellstiften; je nachdem, auf welchen Inhaltsstoffen ihre Minen basieren.

Tipp: Nutze für jede „Stifte-Art“ einen eigenen Spitzer.

Fazit

Das richtige Anspitzen kann das Zeichnen deutlich angenehmer machen und sorgt dafür, dass du deine Zeichenmaterialien vielseitiger und präziser einsetzen kannst. Welche Methode am besten zu dir passt, hängt nicht nur vom Material, sondern auch von deinen persönlichen Vorlieben beim Zeichnen ab. Manche Künstler schwören auf superlange Spitzen, andere bevorzugen „ganz normale“ Bleistiftspitzen oder möglichst unkompliziertes Spitzen mit der Maschine.

Wichtig ist vor allem, dass deine Klingen scharf sind und du verschiedene Methoden einfach einmal ausprobierst. Mit ein bisschen Übung findest du schnell heraus, welche Spitzenform und welche Technik sich für deine Zeichenweise am besten anfühlt.

Kirsten quadratisch2

Hallo, ich bin Kirsten!

Ich möchte, dass du mit Freude zeichnest und mit Stolz deine Ergebnisse betrachtest.

Ich glaube fest daran, dass jeder und jede mit der richtigen Anleitung und Betreuung das realistische Zeichnen von Tieren lernen kann und ich bin hier, um genau das zu ermöglichen.

Ich würde mich freuen, dich auf deiner künstlerischen Reise zu begleiten. Lass dich nicht mehr durch deine Selbstzweifel und Unsicherheit zurückhalten, sondern tauche mit mir in die Welt der realistischen Tierzeichnungen ein und entdecke, was du alles schaffen kannst.

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